Spiel des Lesens

Foto"Die unendliche Geschichte von Michael Ende, die kennt ihr doch?" fragt Clemens von Ramin, und sofort schnellen einige Finger in die Höhe. "Und von Michael Ende ist auch die Geschichte, die wir jetzt hören."Still ist es in der Turnhalle der Grundschule Trent, in der sich rund hundert Kinder versammelt haben, als Clemens von Ramin beginnt: Er erzählt von dem Teddy Washable, der seinen Namen dem Etikett an seinem Stoffkörper verdankt, und der sich fragt, warum er eigentlich auf der Welt ist. Antworten auf diese Frage erhält er viele: Ein Huhn, das ihm auf seinem Weg begegnet, meint, dass das Eierlegen der einzige Sinn des Lebens sei. Wer keine Eier legen könne, so das Huhn, sei ein Taugenichts. Auch die anderen Tiere, die Biene, der Elefant oder die Affen, haben auf diese philosophische Frage Antworten parat, doch keine passt zu Washable - bis er schließlich, nach langem Suchen, das kleine, arme Mädchen trifft, bei dem ihm ganz warm ums Teddyherz wird, "obwohl sein Innerstes nur aus Schaumstoft besteht". Washable hat ein neues Zuhause gefunden.

FotoDurch die Art seines Vortrags gelingt es Clemens von Ramin immer wieder auch die Schüler, bei denen die Konzentration während der 20minütigen Erzählung nachlässt, aufhorchen zu lassen: Er hebt die Stimme oder imitierte die Schlange mit lispelnden, zischenden S-Lauten, die die Schüler spontan nachahmen. Der Besuch, den der Schauspieler und Sprecher Clemens von Ramin und der Schauspieldramaturg Andreas Lübbers der Grundschule Trent am Montag abstatteten, ist mehr als eine Lesung. Er bildet den Auftakt zum Projekt "Spiel des Lesens", das etwa acht Wochen dauern wird. "Zur Freude am Zuhören soll in einem nächsten Schritt das Erlebnis kommen, wie es ist, selbst etwas zu machen", erklärt Andreas Lübbers. "Mit verschiedenen Übungen möchten wir die Lesekompetenz stärken. Die Kinder können lernen, soviel Selbstvertrauen zu entwickeln, dass sie unbekannte Texte laut vorlesen können und während des Lautlesens den Inhalt der Geschichte erschließen. Wir ermutigen sie, nicht an die anderen um sie herum zu denken und Hemmungen zu überwinden." Texte richtig zu verstehen sei für die Kinder nicht nur im Deutschunterricht wichtig:Durch Lese- und Verständnisschwächen wären Probleme in anderen Fächern vorprogrammiert - eine Meinung, der sich Susanne Ghose, Lehrerin an der Grundschule in Trent, nur anschließen kann: Mindestens eine Stunde pro Woche übt sie mit den Schülern das Lautlesen. Die vierte Klasse, in der Susanne Ghose Klassenlehrerin ist, wird diese Fähigkeiten in den kommenden Wochen mit Andreas Lübbers und Clemens von Ramin trainieren.Das Projekt "Spiel des Lesens" wendet sich nicht nur an Kinder im Grundschulalter. In der vergangenen Woche wurde eine ähnliche Veranstaltung am Preetzer Friedrich-Schiller-Gymnasium durchgeführt. Dort trugen Jerzy Kosin, Andreas Lübbers und Clemens von Ramin Kressmann Taylors´ "Adressat unbekannt", einen fiktiven Briefwechsel zweier Freunde zur NS-Zeit, vor. Nach dieser Eröffnungsveranstaltung haben sich 31 Schülerinnen und Schüler von der neunten bis zur zwölften Klasse zur Teilnahme am "Spiel des Lesens" entschieden. Die Durchführung eines solchen Projekts am FSG außerhalb des üblichen Schulalltags wurde möglich durch die Unterstützung der "Ritterschaftlichen Gesellschaft Schleswig-Holstein/Lauenburg e.V." einem Verein, der seit mittlerweile drei Jahren besteht und sich für verschiedene soziale Belange engagiert. Er hat das Seminar in Preetz mit 11.000 Euro gefördert.C. Hinrich von Donner, selbst Mitglied der "Ritterschaftlichen Gesellschaft", wusste, dass Clemens von Ramin und Andreas Lübbers auch gerne einmal mit Kindern im Grundschulalter arbeiten würden und schlug daraufhin Trent vor. "Es war eine ganz spontane Entscheidung", erklärte er. "Über die PISA-Studie wurde viel gesprochen - passiert ist bisher viel zu wenig." Von der Idee des "Spiel des Lesens" überzeugt hat er auch die Finanzierung des Seminars in Trent in die Hand genommen.

Quelle: der reporter